Sonntag, 8. Dezember 2013

Après moi le déluge! und „L’ état c’ est moi“ - Was ist aus der moralischen Vorbild-Funktion des Westens geworden?


Umwertung aller Werte? 

Zum Niedergang der Moral im Alten Europa


Après moi le déluge!  und „L’ état c’ est moi“ - 

Was ist aus der moralischen Vorbild-Funktion des Westens geworden?


Was ist aus der moralischen Vorbild-Funktion des Westens geworden?

Es gab Zeiten, da blickten nicht nur ein paar Menschenrechtler gen Westen –

ganze Nationen Osteuropas orientierten sich an den Werten des Abendlandes,

in der Hoffnung, die roten Diktaturen hinter dem Eisernen Vorhang bald für immer abzuschütteln,
um in Freiheit und Demokratie leben zu können.

Der freiheitliche Pluralismus des Westens mit religiöser Toleranz und garantierten Menschenrechten war ein Wertesystem, an dem man sich orientieren konnte und wollte,

weil die Quintessenz von Aufklärung und Humanismus seit der Antike über Reformation und Französische Revolution in diesen Wertvorstellungen zusammengefasst war.

Amerika war zur Zeit von Präsident Jimmy Carter die "Leitnation der Freiheit",
während die repressive Sowjetunion  von Nachfolger Ronald Reagan einige Zeit noch als
"das Reich des Bösen" gebrandmarkt werden konnte.

Und was haben wir heute im Alten Europa?

Zustände wie in vordemokratischer, ja vorsintflutlicher Zeit,
die an Sodom und Gomorra erinnern
an den Tanz ums Goldene Kalb,
an Verhältnisse, die demokratische Strukturen gefährden können
und über Willkür und Macht tradierte Wertvorstellungen  der Demokratien auf den Kopf stellen:

Frankreichs selbstgefälliger Staatspräsident Nicolas Sarkozy hetzt - man höreund staune - seinen Geheimdienst auf Journalisten,
weil es ihm nicht gefällt,
was sie über ihn zu berichten haben –

er stigmatisiert, beleidigt, diffamiert, grenzt aus,
interessiert, die Meinungsfreiheit zu beschneiden und einen ganzen Berufszweig
diffamierend zu diskreditieren.

Noch viel schlimmer ist der Polit-Akrobat
 Silvio Berlusconi,
Regierungschef der Italienischen Republik,
ein Machtmensch á la Renaissance, der überhaupt keine moralischen Schranken
mehr zu kennen scheint.

Ihm gehören fast alle Medien im Land,
und mit diesem Medien-Imperium bestimmt er,
was offizielle Meinung ist,
was gut ist und gerecht,
was noch gedacht werden darf .

Gegen den Willen weiter Teile des italienischen Volkes übt er die politische Macht im Land aus,
eine Macht, die er – jenseits von Ethik und Moral – vermutlich mit Stimmenkauf sichert,
mit Privilegien,
mit mehr oder weniger direkter Korruption.

Dass er nebenbei – nicht anders als Sarkozy – begleitet von Affären auch noch den ewig erfolgreichen Don Giovanni und Hedonisten mimt, fällt bei all der zynischen Machtausübung kaum noch auf.

All das ereignet sich mitten in Europa –

unter dem Vulkan, am Vesuv ebenso wie auf den Elysischen Feldern,
während osteuropäische Staatschefs, etwa Traian Basescu
und andere „lupenreine Demokraten“ wie Chorknaben zusehen
und lernend staunen,
was abendländische Werte – lange nach Nietzsche – ausmacht.

Wer will da noch nach Russland schielen?
Gar mahnend den Finger erheben, um die neuen Oligarchen in Moskau zur Raison zu rufen mit dem Hinweis: Alles nur geklaut?

Das Vertrauen in rechtsstaatliche und ökonomisch rationale Verhältnisse ist dahin-
das Vertrauen der Bürger in ihren Staat,
besonders in die Staatenlenker mit ihrer einmaligen Vorbildfunktion!?

Wie soll der „kleine Mann“ ethisch funktionieren, verantwortungsbewusst leben und handeln, wenn maßlose, teilweise schon der politischen Dekadenz verfallene Individuen aus Politik und Wirtschaft den Unwert zum Wert umschmieden,

die Welt auf den Kopf stellen,
fast nach dem Motto:

Nach mir die Sintflut!

Nicolas Sarkozy sollte das Wort schon Mal gehört haben!

Après moi le déluge!

Zyniker der Macht Berlusconi hält es mehr mit „L’ état c’ est moi

Die Kleinen im Alten Europa, Griechen und Iren, sollen sich bessern, besser wirtschaften,
während die Großen, selbst die USA nach der Finanzkrise, es im Bankensektor vormachen, wie man schwer erarbeitetes Vertrauen schnell wieder verspielt.

Ökonomische und politische Krisen sind primär Krisen der Werte.

Stehen die Werte auf dem Kopf,
regiert die Lüge,
dann verfallen bald Wirtschaft und Staaten.

In der Antike war das so – dass es dabei bleibt, das werden wir noch erleben.


© Carl Gibson


(Dieser Beitrag entststand im Dezember 2010)

aus:

Carl Gibson,

„Die Zeit der Chamäleons“ -


Aphorismen, Reflexionen, Maximen, Sentenzen, Ideen, Essays

zur Literatur, Philosophie und Geistesgeschichte und Kritisches zum Zeitgeschehen


Motto:



Zum Sinn der Philosophie heute

Philosophen sollen reden und schreiben,
Philosophen sollen Fragen aufwerfen und Antworten anbieten,
sonst ist ihr Denken umsonst!
Das – sprichwörtliche – Schweigen der Philosophen ist ein Irrweg, 
denn es verhüllt die Wahrheit und billigt die Lüge.

Das Schweigen der Denker nützt nur den Mächtigen.





 

Mehr zur "Philosophie" von Carl Gibson
in seinem zweibändigen Hauptwerk:

speziell in:

"Symphonie der Freiheit", (2008)
sowie in dem jüngst erschienenen

"Allein in der Revolte.

Eine Jugend im Banat", (2013)






 Philosoph und Zeitkritiker Carl Gibson

Weitere Aphorismen, Reflexionen, Maximen, Sentenzen, Ideen und Essays werden auf diesem Blog folgen.


Copyright: Carl Gibson
Fotos von Carl Gibson: Monika Nickel

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